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Unbekanntes Baltikum
Mit dem Fahrrad durch Litauen, Lettland und Estland

Jahrzehntelang befanden sich die baltischen Staaten in einem Dornröschenschlaf hinter dem „Eisernen Vorhang“. Seit 1940 hatte die Sowjetunion die drei Staaten okkupiert, bis 1987 die Bevölkerung sich  gegen die Sowjetherrschaft auflehnte. 1989 bildeten Millionen von Menschen aus Protest eine Kette, die von Tallin über Riga nach Vilnius reichte. Und schon 2004  erwarben die drei Länder die Mitgliedschaft  inder EU. Der Unterschied und die Veränderungen zu 1992, als ich schon einmal das Baltikum bereiste, waren gewaltig.Nicht nur die Infrastruktur hatte sich enorm verändert. Während die ältere Generation oft  deutsch oder russisch spricht, kann man sich mit jüngeren Menschen gut auf Englisch unterhalten.Auf sehr  guten Strassen („gefördert mit Mitteln der EU“) führte meine Route zunächst von Klaipeda über Silauliai (Berg der Kreuze) nach Riga. Von da an ging der Radweg direkt an der Ostsee  entlang. Mein nächstes Ziel war die Insel Saaremaa, die während der Sowjetherrschaft militärisches Sperrgebiet war. Die Landschaft auf der sehr dünn besiedelten Insel ist geprägt von  Wiesen, Feldern und Wäldern. Auf sehr wenig befahrenen Strassen erkundete ich die Insel und genoss die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft  der Bewohner. Neben vielen  Bockwindmühlen kann man auch einen 4000 Jahre alten Meteoritenkrater sehen. Die geschichtsträchtige Hauptstadt Lettlands – Riga – ist mit ihren Hunderten von  Jugendstilhäusern,  Kirchen und engen Gassen unbedingt sehenswert. Nördlich von Riga beginnt in dem Badeort Jurmala ein 60 Km langer Radweg, der unmittelbar an der Ostsee entlang führt. Im Nationalpark Papesee kann man  Wildrinder und Wildpferde sehen. Nahe der Stadt Kuldiga kann man den längsten Wasserfall Europas bewundern, der zwar 275 Meter lang ist, aber nur etwa 1,50 Meter hoch! Ein „Muss“ jeder Reise durch das Baltikum ist das Bernsteinmuseum in Palanga! Unterwegs kam ich an einem kuriosen Museum vorbei, das ich natürlich  besuchte: das Münchhausen-Museum. Die  letzten drei Tage verbrachte ich auf der Kurischen Nehrung, wo Thomas Mann in dem Ort Nida ein Sommerhaus hatte. Auch der Abstecher mit  einem Boot ins Memel-Delta war sehr lohnenswert.  Nach vier  Wochen hatte ich zwar über 2400 Km auf dem Tacho, aber die Anstrengung hielt sich in Grenzen, da die Strecke total flach  war und ich keine Steigungen zu bewältigen hatte.

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lappland im winter

Lappland im Winter

Nach vielen beeindruckenden Nordlandreisen im Sommer reizte es mich, diese herrliche Landschaft auch einmal tief verschneit im Winter zu erleben. Klirrende Kälte, Dunkelheit,tanzende Polarlichter, ausdrucksvolle Lichtverhältnisse, und die Gemütlichkeit der Häuser begeisterten mich so sehr, dass ich gleich viermal hintereinander im Winter Finnland,Norwegen und Schweden besuchte. Die einsamen Gegenden, die ich im Sommer erwandert hatte, waren jetzt noch einsamer. Selten traf ich in den Wäldern Menschen,dafür Elche und Rentiere. Nur ab und zu zerriss der Lärm eines Motorschlittens, dem Hauptfortbewegungsmittel der Skandinavier im Winter, die Stille. Eine besondere Erfahrung war es,sich nach der Sauna bei minus 30° im Schnee zu wälzen. Auch die rasanten Schlittenfahrten mit einem Husky-Gespann durch die einsamen Wälder waren immer ein faszinierendes Erlebnis! Bei einer Nordlandtour mit einem Freund bauten wir ein Iglu (das „Richtfest“ wurde mit Glühwein gefeiert) und schliefen bei 18° minus darin. Diese Winterfahrten waren so eindrucksvoll, dass ich mit Sicherheit nicht zum letzten Mal in der kalten Jahreszeit im hohen Norden war!

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mongo

„…..nur an Airag konnte ich mich nicht gewöhnen“ Mit dem Fahrrad durch die Mongolei

Ein Reisebericht von Hans Neumann „Ich müsste erstmal nachsehen, wo die Mongolei liegt“ Das war die ehrliche Reaktion von Freunden, Bekannten und Kollegen, als sie von meinem Vorhaben hörten.Im Sommer 2006 konnte ich endlich – nach einjähriger Vorbereitung – einen lange gehegten Traum verwirklichen: die Mongolei mit dem Fahrrad zu bereisen. Akribisch wog ich mittels Brief-, Küchen- und Personenwaage mein gesamtes Gepäck ab, um möglichst Ballast zu vermeiden. Mit einer – wie sich vor Ort herausstellte – unbrauchbaren Landkarte plante ich meine Reiseroute.Mit reichlich Übergepäck (40 Kilo plus Fahrrad) flog ich dem Abenteuer entgegen. In Ulaan Baator kaufte ich Lebensmittel und Wasser und fuhr nach eineinhalb Tagen in der Hauptstadt in die äußerst dünn besiedelte Steppe. Täglich war ich zu Gast bei Nomaden und wurde mindestens zu einem Milchtee (mit Salz, Butter und Fleischstreifen) eingeladen. Oft nahm ich aber an den gemeinsamen Mahlzeiten teil,die ausschließlich aus Hammelfleisch bestanden. Nur an Airag (gegorene, kalte, säuerliche Stutenmilch) konnte ich mich nicht gewöhnen. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Nomaden waren überwältigend! Mal schoben sie mein bis zu 65 Kilo schweres Rad über Geröllpisten bergauf, mal versorgten sie mich mit trockenem Brennholz, wenn meins wieder einmal durch starke Regenfälle nass geworden war. Nur einmal widerfuhr mir etwas Negatives, als mich ein sturzbetrunkener Motorradfahrer bewusst so dicht überholte, dass ich fast mit dem Rad umgestürzt wäre. Mein Zelt durfte ich immer neben den Jurten aufbauen. Ich revanchierte mit kleinen Gastgeschenken und Musik (Live-Hörproben während des Vortrages!). Auf einer irischen Flöte spielte ich meinen Gastgebern keltische Tänze und Weisen vor, zu denen einmal drei betrunkene Nomaden in der staubigen Steppe tanzten. Durch meine Musik wich auch – gerade bei Kindern – die anfängliche Scheu und Skepsis.Neben Gestikulieren mit Händen und Füßen war das die einzige Kommunikationsmöglichkeit . Die „Straßen“, auf denen ich mich voranquälte, waren extrem schlecht! Die auf meiner Landkarte als„asphaltierte Hauptstrasse“ klassifizierte Route bestand im günstigsten Fall aus Sandpiste. Oft musste ich quer durch die von starken Regengüssen vollgesogene Steppe fahren. Das Rad war dann weder fahr- noch lenkbar, ich musste absteigen und stand bis zur Wade im Wasser. Einmal verfuhr ich mich hoffnungslos im Gebirge. Am Abend hatte ich kein Wasser mehr, und Panik überkam mich.Ich hatte Angst vor Wölfen, von denen es in der Mongolei mehr geben soll als Einwohner. Am nächsten Tag stieß ich auf eine Gruppe Berliner Pfadfinder, die mich aus dieser Situation retteten.Neben dem eher uninteressanten Staats-Naadam in der Hauptstadt erlebte ich dieses spannende und farbenfrohe Sportfest noch vier weitere Male in Dörfern, wo ich ganz nah am Geschehen war und unmittelbaren Kontakt zu den Ringern, Reitern und Bogenschützen hatte. Die letzten drei Tage fuhr ich mit einem Minibus ins Herz der Mittelgobi, wo die durchschnittliche Einwohnerzahl  von eineinhalb pro Quadratkilometer noch weit unterschritten wird. Hier erlebte ich 58 Grad Celsius, während das Thermometer im Gebirge bei Regen oft nur 6 Grad zeigte. In 45 Jahren habe ich 68 Länder bereist (viele mehrfach), davon 31 mit dem Fahrrad. Die Tour durch die Mongolei war die strapaziöseste, die schwerste bezüglich der Infrastruktur und Versorgung, die intensivste, was den Kontakt zur Bevölkerung betrifft, und mit Sicherheit die abenteuerlichste! Ich bin 1947 in Berlin geboren und reise seit meinem 17. Lebensjahr um die Welt. Zunächst bin ich durch Europa getrampt, bevor ich 1970 zu einem zweijährigen Trip aufbrach, der mich durch fast alle asiatischen Länder und nach Australien brachte. Ab Australien setzte ich meine Reise mit dem Fahrrad fort und entdeckte dieses Fortbewegungsmittel als das für mich optimale. Bei dieser Art des Reisens hat man einen sehr intensiven und authentischen Kontakt zu der Bevölkerung, was für mich nach wie vor der wichtigste Aspekt meiner Reisen ist. Von 1972 bis 1990 setzte eine „fahrradabstinente“ Zeit ein. In diesem Zeitraum bin ich als „Rucksacktourist“ um die Welt gezogen, bevor ich dann bis 1996 mit zwei Freunden verschiedene Länder West- und Osteuropas, sowie Nordafrika mit dem Rad bereiste. Der Wendepunkt kam 1996, als ich niemanden für eine Tour in Island begeistern konnte. Ich fuhr allein und stellte fest,dass mir niemand fehlte und dass ich allein besser zurechtkam. Auch die folgenden Reisen durch Syrien, zum Nordkap, durch Kanada, den Oman, durch das Baltikum und durch die Mongolei unternahm ich allein.

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oman

Im Land des Weihrauchs

Mit dem Fahrrad durch den Oman

Ein Reisebericht von Hans Neumann

In ein moslemisches Land?“
Lass` Dich nicht entführen!“
3000 km Wüste?“
Wie machst Du denn das mit dem Wasser?“
Pass auf, wenn Du verschleierte Frauen fotografierst“
und, und, und!

Diese Aussagen und Fragen waren die Reaktion von Freunden, Bekannten, Kollegen und anderen Menschen, denen ich von meinem Vorhaben, mit dem Fahrrad den Oman zu bereisen, erzählte. Um es vorweg zu nehmen: Ich bin nicht entführt worden und ich habe auch keinen Krummdolch in den Rücken bekommen, obwohl ich Dutzende von verschleierten Frauen fotografiert habe.Etwa 9 von 10 Personen wussten den Oman überhaupt nicht geografisch einzuordnen. Nicht wenige verlegten das Land sogar nach Afrika. Und die Sorge, man könnte mir in einem moslemischen Land etwas Böses antun, entspringt wohl der Unkenntnis und den Vorurteilen, die man arabischen Ländern gegenüber hat. Die Reise war geprägt von der unglaublichen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Araber! Mehrmals am Tag wurde ich mit diesen sprichwörtlichen Eigenschaften der Omanis konfrontiert. In der Wüste hielten oft Einheimische an, um mir Wasser, Obst, Saft oder Essbares zu geben. Nicht wenige meinten wohl, ich sei minderbemittelt, denn sonst würde ich ja mit einer Gruppe das Land bereisen. Sie boten mir Geld an, was ich natürlich ablehnte.Einmal scherten zwei Fahrzeuge aus einem Militärkonvoi aus, fuhren mir hinterher und wollten mir eine Kiste mit 60 Wasserbechern schenken. Da das nicht sehr praktisch war, füllten die Soldaten die Becher in meine leeren Wasserflaschen um. Dann folgten sie den anderen Fahrzeugen des Konvois… Die vielen Einladungen konnte ich aus Zeit- und Entfernungsgründen gar nicht annehmen. Die Einladung zum Kaffee von einer total verschleierten Frau (!!!) bei sich zu Hause nahm ich in meiner grenzenlosen Neugier aber an. Sie bewirtete mich mit Kaffee und Obst, und zum Abschied beschenkte sie mich noch! Die Fahrerei durch die unendlich öde und trostlose Wüste (3000Km) wurde nur selten durch „Highlights“ unterbrochen. Zu den Höhepunkten zählte aber immer wieder das Zelten in dieser Einöde. Die Sonnenuntergänge, der Sternenhimmel und die Sonnenaufgänge waren jeden Tag von neuem ein unvergessliches Erlebnis.Im Durchschnitt trank ich etwa sechs Liter Wasser am Tag. Das musste natürlich auch nachts entsorgt werden. Bei meinen nächtlichen „Ausgängen“ musste ich sehr genau hinsehen, wo ich hintrat, denn es gibt in der Wüste viele (auch giftige) Schlangen und Skorpione. Erstmalig hatte ich auf einer Radtour zwei schwerwiegende Radpannen! Dank der unglaublichen Hilfsbereitschaft der Omanis wurde die erste (natürlich kostenlos!) behoben, und zur Sicherheit schenkte man mir noch zwei Ersatzschläuche und mehrere Ventile. Bei der zweiten Panne riss eine Felge. Um den Schaden zu beheben, musste ich zurück in die Hauptstadt Muscat fahren, wo ich mit viel Mühe und der Hilfe eines Taxifahrers eine einzige gebrauchte Felge in der richtigen Größe fand. Die omanischen Frauen kleiden sich traditionell total verschleiert in Schwarz, mit Sehschlitz oder mit der Burqa, einer „Schnabelmaske“ (nicht zu verwechseln mit dem Ganzkörperschleier der afghanischen Frauen). Oft fragten Frauen, ob sie mich fotografieren dürften, und ich willigte ein. Fragte ich sie, lehnten sie überwiegend ab. Trotzdem gelangen mir einmalige Aufnahmen, wenn ich höflich danach fragte. Auf einer Fähre wurde ich geradezu aufgefordert, eine Frauen-/Mädchengruppe zu fotografieren. Während meines Besuchs im Oman fand der „Golf-Cup“ statt, eine Fußballmeisterschaft der acht Golf-Staaten. Als dann der Oman die Meisterschaft sogar noch gewann, musste ich feststellen, dass sich die omanischen Fans überhaupt nicht von den europäischen unterscheiden. Ausgelassen feierten sie „ihre“ Mannschaft in den Strassen der Hauptstadt. Woran ich mich nicht gewöhnen konnte: Die Vorstellung der Omanis von Pünktlichkeit und Zeitzusagen. Mehrere Male verabredete ich mich mit Einheimischen, aber die nehmen es mit der Zeit nicht so genau. Einmal wollten mich Omanis um 10 Uhr vom Hotel abholen, um 15:30 Uhr waren sie dann endlich da… Aber die Herzlichkeit, die Fröhlichkeit und Unbekümmertheit ließen mich solche Vorkommnisse schnell vergessen.



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kanda

Bären – Berge – Begegnungen
3500 Km mit dem Fahrrad durch Kanadas Westen
mit einem Abstecher nach Alaska


Ein weiterer „Fahrradtraum“ sollte 2007 wahr werden: Kanada (genauer: British Columbia und Alberta) mit dem Fahrrad zu bereisen. Ein Freund, der diese Strecke schon einmal mit dem Auto gefahren war, meinte, das würde ich wohl schwerlich schaffen, zumal mit fast 60 Jahren. Die Route führte mich zunächst von Calgary nach Vancouver (mit einem Kleinbus). Meine ersten Eindrücke waren überwältigend! Ich konnte mich gar nicht satt sehen an den schneebedeckten Bergen (es war Mitte Juni!). Nachdem ich das Auto am Flughafen von Vancouver abgegeben hatte, radelte ich entlang der „Sunshine Coast“ auf dem Festland. Mehrere Fähren brachten mich über die Fjorde. In Powell River setzte ich über nach Vancouver Island. Mein erstes Ziel war Port Hardy, ein Fährhafen, wo die 15 stündige Fahrt entlang der „Inside Passage“ begann. Es soll eine der schönsten Fährstrecken weltweit sein. Bevor ich die Fahrt zu der Hafenstadt antrat, musste ich noch ein gewaltiges moralisches Tief überwinden. Aus unerfindlichen Gründen hatte ich gleich am ersten Tag überhaupt keine Lust mehr, die Reise fortzusetzen. Ich war nahe davor, alles stehen zu lassen, nach Vancouver zu trampen und den nächsten Flieger nach Hause zu nehmen. Aber ein Schlüsselerlebnis brachte mich – zum Glück! - wieder zur „Vernunft“. Von Prince Rupert fuhr ich mehrere hundert Kilometer nach Osten bis zum Abzweig nach Alaska. Auf dieser Strecke sah ich sehr viele Schwarzbären. Von Prince Rupert nach Stewart und zurück nach Kitwanga waren es fast 800 Km. Es gab aber nur zwei Möglichkeiten, sich Lebensmittel und Wasser zu besorgen, was sich als großes Problem herausstellte. Oft musste ich vorbeifahrende Autos anhalten und nach Wasser fragen. Es hielten auch Reisende an und fragten mich, ob ich genug Wasser hätte. Auf einer sehr einsamen Strasse in Alaska begegnete ich einem Schwarzbären und einem Grizzly. Es kostete mich sehr viel Nervenstärke, die Bären zu fotografieren! Manche Tagesetappen betrugen zwischen 140 und 160 Km, weil dazwischen nicht anderes waren als Wald und Bären. Und es nicht sehr ratsam, sein Zelt mitten in der Wildnis aufzustellen. British Columbia hat die größte Bären-Population in Kanada, und die Gegend, in der ich mich befand, wiederum die größte in British Columbien. In meiner Not und mangels anderer Übernachtungsmöglichkeiten schlief ich einmal in einer völlig verlassenen Indianer-Siedlung in einem völlig verdreckten Haus. Aber hier war ich vor Bären sicher. Der Höhepunkt der Reise war ohne Zweifel die Fahrt auf dem Icefield Parkway im Jasper- und Banff Nationalpark. Staunend fuhr ich mit offenem Mund durch die schneebedeckten Berge der Rocky Mountains. In tiefblauen Seen spiegelten sich die Riesen der Rockys. Dadurch, dass ich mit meinem Rad keinen Krach machte, sah ich viele Tiere: Wapitis, Elche, Dickhornschafe, Karibous, Präriehunde, Kojoten und viele andere mehr. Die phantastische Landschaft und die vielen netten Begegnungen mit Menschen machten die Reise wieder einmal zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Nach sechs Wochen kam ich k.o. aber glücklich wieder in Calgary an. 9,5 Kg hatte ich auf der Strecke gelassen.

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syrien

Syrien…? Ist das nicht zu gefährlich?“

Mit dem Fahrrad durch das Land am Euphrat

Ein Reisebericht von Hans Neumann


Diese Frage war unisono die Reaktion von Freunden, Bekannten, Kollegen und Verwandten, als ich denen von meinem Vorhaben erzählte. Zugegeben – etwas mulmig war mir schon, denn bisher hatte ich überwiegend Länder in West-Europa mit dem Fahrrad bereist, aber nicht solch ein exotisches wie Syrien. Und Syrien kann man nicht gerade als „typisches Urlaubsland“ bezeichnen, wo sich die Touristen in Scharen tummeln. Aber – wie sich herausstellen sollte – war meine Entscheidung goldrichtig! Gleich am ersten Tag wurde ich mit der sprichwörtlichen Gastfreundschaft der Araber konfrontiert. Ich wurde morgens zum Essen eingeladen, abends ebenfalls zum Essen und zum Übernachten. Das kam mir sehr gelegen, denn wo übernachtet man in einem Land, in dem es außer in großen Städten keine Hotels gibt? Die Gastfreundschaft zog sich wie ein roter Faden durch die vier Wochen, in denen ich das Land bereiste. Mein errechnetes Tagespensum schaffte ich nie, denn ich wurde, wenn nicht zum Essen, doch zumindest zum Tee eingeladen; sei es von Bauarbeitern, Ladenbesitzern, Viehhirten, Polizisten oder vielen anderen. Während der Fahrt am Euphrat entlang hatte ich zweimal sehr intensiven Kontakt mit dem Geheimdienst, der sich aber sehr höflich und korrekt verhielt. Eine außergewöhnliche Begegnung hatte ich mit einem Mitglied der syrischen Nationalequipe der Radrennfahrer. Die einwöchige Fahrt durch die syrische Wüste war sehr abenteuerlich, zumal ich mich auf ungewohntem Terrain bewegte: Wüstenerfahrung fehlte mir gänzlich! Aber auch hier kam ich in Genuss der Gastfreundschaft der Wüstenbewohner, der Beduinen. Ich stellte mein Zelt immer neben deren Zelte auf, wurde aber immer zum Essen hinein gebeten. Die Mahlzeiten waren denkbar einfach: saure Milch, dazu jede Menge Fladenbrot und Tee. Wenn ich Glück hatte, gab es Magduhn, sauer eingelegte Auberginen, die ich mit Vorliebe aß. Faszinierend war die Ruinenstadt Palmyra mitten in der Syrischen Wüste, wo schon 7000 Jahre v.Chr. Menschen siedelten. Die quirlige Hauptstadt Damaskus ist eine der interessantesten Städte, die ich weltweit kenne. Ich besuchte mehrmals die Omayaden-Moschee und den Souk. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des „schönsten Dorfes in Syrien“, nämlich Maalula. Es ist der einzige Ort, in dem noch aramäisch, die Sprache Jesu, gesprochen wird. In einem Kloster las mir ein Mönch das Vaterunser auf aramäisch vor. In den Bergen des Antilibanon wurde ich von einem heftigen Schneesturm überrascht. Die weitere Route führte mich zum „Crac de Chevalier“, einer riesigen Kreuzritter-Burg, an die Küste, nach Hama mit seinen 500 Jahre alten Wasserrädern aus Holz, nach Aleppo und nach Ebla, einer 5000 Jahre alten Siedlung. Beeindruckend war neben der Herrlichen Landschaft, der Gastfreundschaft und den vielfältigen Kulturdenkmälern das friedliche Miteinander der vielen Religionsgemeinschaften. Neben den verschiedenen Richtungen des Islam leben allein elf christliche Konfessionen in dem Land! Der beste Freund eines moslemischen Professors, den ich in Damaskus kennen lernte, war Jude. Ein Wermutstropfen: aufgrund der mangelnden Bildung, Desinformation und antisemitisch gefärbter Schulbücher, besteht beibildungsfernen Schichten eine große Ablehnung gegenüber den Juden, und Hitler erfährt große Verehrung…

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COSTA RICA


Mit dem Fahrrad durch die „Schweiz Mittelamerikas“


Bei meinen Fahrradvorträgen wurde ich häufig von Zuschauern gefragt, ob ich schon mal in Costa Rica gewesen sei. Jeder schwärmte von diesem mittelamerikanischen Land. So wurde ich neugierig und beschloss, das Land im März/April 2010 mit dem Fahrrad zu bereisen.Allerdings verlief die Reise ganz anders als geplant! Schon am ersten Tag hatte ich mit der enormen Hitze und Luftfeuchtigkeit zu kämpfen. Im Gegensatz zu anderen Radtouren, bei denen die Faszination der Länder die Anstrengungen vergessen ließ, kamen in Costa Rica zu den klimatischen Bedingungen noch die teilweise extrem steilen Anstiege dazu. Und so hielten viele Autofahrer von sich aus an und fragten, ob sie mich zum Pass hochfahren sollten.Die Landschaft war phantastisch! Tropischer Regenwald, eine herrliche Strasse entlang der Pazifik-Küste, Ölpalm-, Bananen-, Kaffee-, Ananas-Plantagen. Die „Ticos“ (die Bewohner Costa Ricas) winkten mir zu, und wenn ich anhielt, um etwas zu kaufen oder zu essen, fragten sie wissbegierig, woher ich sei. Das Zelten wurde jedes Mal zu einem Sauna-Gang, weil es im Zelt unerträglich heiß war. Bei offenem Zelt konnte und wollte ich nicht schlafen, denn es gibt ca. 140 Schlangenarten, von denen 18 giftig sind… Neben der grandiosen Landschaft war auch die Tierwelt überwältigend! Ich sah und fotografierte Schlangen, bunte Frösche, Papageien, Iguanas (Echsen), Nasenbären, Faultiere, Brüllaffen, Krokodile, um nur einige Tierarten zu nennen. In den unzugänglichen Bergen an der Grenze zu Panama besuchte ich eine Siedlung der Guaymi-Indianer. Die irischen Melodien, die ich den Dorfbewohnern auf der Mundharmonika und Tin Whistle (irische Flöte) vorspielte, waren wieder mal ein Hit! Bei der Fahrt auf der „Panamericana“ durch den Nebelwald musste ich passen, denn die Sichtweite betrug oft nur etwa 10 Meter. Die Strassen waren sehr eng, und wenn sich die riesigen LKW begegneten, war für einen Radfahrer kein Platz mehr auf der Strasse. Unter den gegebenen Umständen entschloss ich mich, einige interessante Ziele mit Mietauto und Bus zu besuchen. Da ich keinen Führerschein dabei hatte, musste ich mir eine Kopie aus Deutschland per e-mail schicken und diese von einem Notar bescheinigen lassen. Jetzt bin ich im Besitz eines wunderschönen costaricanischen Führerscheins mit Stempeln, Prägungen und goldenen Sternen, den ich während des Vortrages dem Publikum präsentieren werde. Ein anderes Highlight waren die noch aktiven Vulkane. Es ist ein phantastisches Schauspiel, wenn man nachts die glühende Lava den Berg herunter fließen sieht! Bei einem anderen Vulkan konnte ich eine Eruption sehen und fotografieren. Die Orte an der Karibikküste erinnerten mich sehr an Jamaika. Es gab Jerk-Pork, Rastas, und aus den Lautsprechern dröhnte Reggae-Musik. Ein besonderes Erlebnis war auch die Fahrt mit einem Fischer auf einem Dschungel-Fluss, bei der ich viele Tierarten beobachten konnte. Obwohl ich meinen eigentlichen Plan, das Land mit dem Rad zu bereisen, nicht zu 100% realisieren konnte, war diese Reise wieder einmal ein Erlebnis der besonderen Art!

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Nordkap statt Mongolei

Ein Traum sollte wahr werden. Ein Jahr lang hatte ich mich bestens vorbereitet: Literatur gelesen, Kartenmaterial besorgt, Kontakte geknüpft. Die Packliste war bis ins kleinste Detail fertig. Auch mein Fahrrad wurde aufgerüstet: zusätzlicher Gepäckträger vorn, verstärkter Gepäckträger hinten. Die Züge für Bremsen und Schaltung wurden erneuert. Und ganz wichtig: beide Räder wurden mit verstärkten Speichen bestückt Mein Fahrrad war somit bestens gerüstet für meine geplante Fahrt durch die Mongolei.
Etwas hatte ich aber bei allen Vorbereitungen total vernachlässigt: mich! Seit meiner Fahrt durch Syrien  stand mein Rad im Schuppen und wurde seitdem lediglich von rechts nach links oder von links nach rechts geschoben. Meine „Vorbereitung“ für die anstehende Tour bestand gerade mal aus viermal 17 Km „Training“.
Doch es kam alles ganz anders!
Vergeblich versuchte ich, direkt bei der mongolischen Airline MIAT in Berlin ein Flugticket nach Ulan-Bator zu bekommen. Zunächst war alles kein Problem. Doch dann vertröstete man mich, man hielt mich hin. Auf  Nachfrage antwortete man mir, die Unterlagen seien unterwegs.
Um es kurz zu machen: man verkaufte mir schlicht kein Flugticket, warum auch immer.
Eine Alternative musste her.

Da ich schon seit vielen Jahren ein großer Freund von Nord-Skandinavien (Finnmark / Lappland ) und schon des öfteren mit dem Auto dort herumgereist war, wollte ich diese Gegend nun auch mit dem Fahrrad bereisen. Und wenn ich schon mal „da oben“ war, wollte ich das Nordkap nicht auslassen.
Die Fahrt von Helsinki in Richtung Norden begann mit einem einwöchigen Kälteschock. Die Höchsttemperaturen lagen bei 11 ° C, im Tagesdurchschnitt bei 7°C. Es war Mitte Juni! In Mittelfinnland zeltete ich einmal bei – 1.5°C. Es war aber nicht nur die Kälte, die mich manchmal an meinem Vorhaben zweifeln ließ. Es regnete sehr viel, dazu blies ein eiskalter Wind. Der kannte natürlich nur eine Richtung….
Mit solchen Wetterverhältnissen hatte ich nicht gerechnet, hatte ich doch bei den acht vorherigen Autoreisen zu 95% wunderbares Sommerwetter zu dieser Jahreszeit, mit Temperaturen zwischen 18 und 25°C.
Zeitweise musste ich mir Plastiktüten um die Turnschuhe wickeln, denn meine nassen Füße froren bei dem eisigen Fahrtwind jämmerlich. Was erwartete mich wohl da ganz oben im Norden…?
Erst bei Kemijärvi änderte sich das Wetter. Es war nicht mehr ganz so kalt, der Regen hörte auf, und die Sonne kam hervor. Dennoch musste ich immer noch mit Windbreaker und Gore-Tex-Hose fahren, denn der Fahrtwind war immer noch sehr kalt.
Die ersten 1300 Km verliefen recht ereignislos. Da ich auf dem schnellsten Wege nach Norden wollte, fuhr ich auf Hauptstraßen  (E75 / E63) durch endlose Birken- und Kiefernwälder vorbei an malerischen Seen .Zu dieser Landschaft gesellten sich ab Mittelfinnland die Rentiere Da es 24 Stunden am Tag hell war, konnte ich fahren, fahren, fahren. In der ersten Woche fuhr ich im Durchschnitt täglich 138 Km bei einer Netto-Fahrzeit von ca. 9 Stunden.
Ab Inari änderte sich für mich so ziemlich alles! Jetzt wurde das Wetter richtig schön (Höchsttemperaturen 13-17°C), die Versorgungsmöglichkeiten wurden immer geringer. Die Strecke wurde zum erstenmal richtig anspruchsvoll.
Die Straße zwischen Kaamanen und Karigasniemi verlief  schnurgerade durch das Gebirge. Ich musste viele Male schieben, was ich eigentlich verabscheue. Und das fiel mir bei den teilweise heftigen Steigungen mit 38 Kg Gepäck schwer.
Und genau auf dieser Strecke begann sie dann: die Serie von Reifenpannen! Letztendlich hatte ich kein Flickzeug mehr und musste einen Autofahrer bitten, mich in die nächste Stadt mitzunehmen.
Je weiter ich nach Norden fuhr, desto schwieriger wurde die Strecke, d. h. die Steigungen. Bei Abfahrten erreichte ich Geschwindigkeiten von fast 60 km/h.
Die Landschaft war grandios! Die Straße schlängelte sich immer am Porsanger-Fjord entlang, und die Berge waren weitgehendst mit Schnee bedeckt.
Dann kam ER! DER TUNNEL!
Bis 1998 fuhr eine Fähre von Kafjord nach Honningsvag, dem Hauptort der Insel Mageroya, auf der das Nordkap liegt. Jetzt erreicht man die Insel nur noch mit der Hurtigrute oder eben durch den für Radfahrer berüchtigten Tunnel.
Er ist 7 km lang. Die ersten 3,5 km geht es zunächst mit 9% Gefälle rasant bergab. Doch dann muss man 3,5 km mit 9% Steigung wieder bergauf fahren – so man das kann. Ich konnte es nicht! So schob ich bei 4° C klatschnass mein Rad Meter für Meter nach oben. Es war ungemein anstrengend! Machte ich zunächst alle 200 Meter eine Pause, so verkürzten sich die Abstände dramatisch! Alle 50 Meter musste ich für ein paar Minuten verschnaufen. Ich war völlig erschöpft, verfluchte diesen Tunnel und sehnte die gute alte Fährschiff-Zeit zurück.
Der Lärm der vorbeifahrenden PKW, Busse, LKW u.s.w. war unerträglich!
Endlich sah ich dann- nach ca. 1 ¾ Std. – im wahrsten Sinne des Wortes- Licht am Ende des Tunnels. Dort war auch die Mautstelle. Ich muss so erbärmlich und erschöpft ausgesehen haben, dass ich statt der 46 NOK nichts zu bezahlen brauchte. Der Maut-Mensch sah mich von oben bis unten an und sagte nur: „For you  it´s free“.
Am nächsten Tag sollte dann der Höhepunkt und das eigentliche Ziel der bis dahin 1700 km langen Reise angepeilt werden. Es waren nur noch 33 km bis zum Nordkap.
Aber die hatten es in sich! Es ist eine äußerst anspruchsvolle Strecke für Radfahrer. Das Nordkap selbst liegt in ca. 400 m Höhe. Durch sehr karge Landschaft – Felsen, Gras, Moos – geht es ständig steil bergauf. Nach 33 Km und 6 ½ Std war ich endlich am Ziel!
Nachdem ich Eintritt bezahlt hatte, durfte ich das „heilige Terrain“ betreten. Zunächst glich es einem riesigen Parkplatz mit ca. 50 Reisebussen aus ganz Europa. Dazu gesellten sich noch einmal so viele Wohnmobile und Anhänger – Gespanne. PKW und Motorräder gingen dabei unter. Und Radfahrer? Mit mir war ein Pole dort oben.
Schätzungsweise 2500 Menschen warteten nun auf DAS Ereignis: die Sonne näherte sich um Mitternacht dem Horizont, um kurz danach im flachen Bogen wieder aufzusteigen.
Um 0Uhr 20 war ich mutterseelenallein an der Weltkugel, dem Wahrzeichen des Nordkaps. Sämtliche Busse waren wieder abgereist.
Bei der Rückfahrt lag die Temperatur  bei 1° C, und es wehte ein eisiger Wind.
Zurück wollte ich auf keinen Fall wieder durch den Tunnel fahren. So nahm ich das Postschiff von Honningsvag nach Vardö, um von dort bei schönstem Sommerwetter, flacher Strecke und Rückenwind wieder nach Finnland zurückzufahren.
Die Route führte mich über Kirkenes nach Inari und Pokka.Von dort fuhr ich die längste Etappe meiner Reise: 178 Km. Davon waren 46 Km schlechteste Schotterpiste, die mir die letzten beiden Plattfüße und eine fingerkuppengroße Blase an der Stelle einbrachte, die bei Radfahrern am meisten beansprucht wird…
Von dieser Wunde erholte ich mich nicht mehr richtig. Ich fuhr unter Schmerzen noch weiter bis Kuusamo, wo ich dann die Reise abbrechen musste.
Bis hierhin bin ich 2985 Km in 22 ½ Tagen gefahren und habe dabei 8 kg abgenommen.
Mein Ziel war erreicht, und ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Und wer kann schon von sich behaupten, innerhalb von drei Monaten im Burj-el-Arab in Dubai übernachtet zu haben und  unter Entbehrungen und Strapazen zum Nordkap gefahren zu sein?
Würde ich diese Reise noch einmal machen?
Klare Antwort: Unter Umständen eventuell vielleicht jein!